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Die erste große Bürgerinitiative
Deutschlands
90
Jahre Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge
Als
engagierte Bürger unter dem Eindruck der Schrecken des Ersten
Weltkrieges den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gründeten, um
den Kriegstoten ehrend zu gedenken, schrieb man den 16. Dezember 1919.
Deutschland litt nach dem verlorenen Krieg unter Wirtschaftskrise und
Reparationszahlungen. Staatliche Verpflichtungen, wie das Gedenken an
die Opfer des Krieges aufrechtzuerhalten, ihnen würdevolle Ruhestätten
zu verschaffen sowie den Angehörigen bei der Fürsorge für die im
Ausland fast unerreichbaren Kriegsgräber zu helfen, überforderten die
noch junge Weimarer Republik. Bürgerliches Engagement trat daher an
die Stelle staatlichen Handelns, weshalb der Volksbund, wie er
gemeinhin kurz genannt wird, als die erste große Bürgerinitiative
Deutschlands gelten darf. Während die Kriegsgräberfürsorge in allen
Ländern der Welt eine staatliche Aufgabe ist, hat der Volksbund in
Deutschland diese Verpflichtung übernommen. Als „eingetragener Verein
mit staatlichem Auftrag“ kann er heute auf nunmehr 90 Jahre Arbeit
unter dem Motto “Arbeit für den Frieden und die Versöhnung über den
Gräbern“ zurückblicken. Grund genug für die Sektion Halle der
Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik e.V., in einer
gemeinsamen Initiative mit dem Kreisverband Halle/Saalekreis des
Volksbundes, der Stadt Halle, dem Landeskommando Sachsen-Anhalt der
Bundeswehr sowie der Landesgruppe Sachsen-Anhalt des
Reservistenverbandes, dieses Ereignis mit einer großen
Informationsveranstaltung zu würdigen. Rund 100 Gäste konnten
Oberstleutnant a.D. Jürgen Rann, Sektionsleiter Halle der Gesellschaft
für Wehr- und Sicherheitspolitik e.V. und MdL Bernhard Bönisch,
Volksbund-Kreisvorsitzender Halle/Saalekreis, im großen Festsaal des
Stadthauses begrüßen. Geboten wurde ein über zweistündiges Programm
mit einer lockeren Abfolge von Film- und Redebeiträgen.

Unter dem
Titel „Aus der Kraft der Erinnerung schöpfen“ gewährte ein brandneuer
Film des Volksbundes tiefe Einblicke in die wechselvolle Geschichte
des Volksbundes, vermittelte eine beeindruckende Arbeitsbilanz der
vergangenen 90 Jahre und verdeutlichte zugleich die bis heute
unveränderte gesellschaftliche Rolle des Volksbundes als Träger und
Bewahrer der deutschen Gedenkkultur sowie als Mahner für den Frieden
und die Aussöhnung zwischen den Völkern.

In seinem
Grußwort zog der Landesvorsitzende, Landtagspräsident Dieter
Steinecke, eine positive Bilanz der Arbeit des Volksbundes im
Bundesland Sachsen-Anhalt und verwies auf eine mittlerweile nahezu
flächendeckende Organisationsstruktur auf Kreisebene.
Landesgeschäftsführer Jan Scherschmidt präsentierte in seinem Beitrag
das breite Spektrum der Aktivitäten des Volksbundes im Bundesland.

Höhepunkt
und Glanzlicht der Veranstaltung war die Ansprache des Präsidenten des
Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Reinhard Führer, der das
Auditorium mit seinen höchst authentischen Darstellungen und sowohl
bewegenden, als auch aufrüttelnden Worten in seinen Bann zog. In einem
historischen Rückblick verdeutlichte der Präsident, dass der Volksbund
in den vergangenen Jahrzehnten häufig vor neuen, scheinbar kaum zu
bewältigenden Aufgaben gestanden hat, diese aber dennoch immer wieder
hervorragend bewältigen konnte. Er verhehlte nicht, dass die
Geschichte des Verbandes nicht frei von Brüchen war, ließ nicht
unerwähnt, dass die frühe Selbstunterwerfung der Volksbundführung
unter das nationalsozialistische Regime dem Verband wahrscheinlich die
Eigenständigkeit rettete, stellte aber zugleich mit Bitterkeit fest,
dass die willige Unterstützung der unseligen braunen Diktatur, die
unser Land und Millionen Menschen weltweit in Tod und Verderben
führte, dafür allerdings ein viel zu hoher Preis gewesen sei.
Mit Stolz
erfüllten ihn dagegen die großen Leistungen nach dem Zweiten
Weltkrieg, als es nicht nur galt, die Abgründe der deutschen und auch
der eigenen Geschichte zu überwinden, sondern quasi aus dem Nichts
heraus ungleich größere Aufgaben als nach dem Ersten Weltkrieg zu
bewältigen, sagte Führer. Er verwies auf beeindruckende Erfolge im
Friedhofsbau und der Pflege der Friedhöfe, bei der Suche nach
Kriegstoten, ihrer Bergung, endgültigen Bestattung und der Betreuung
der Angehörigen. Der Präsident hob hervor, dass Kriegsgräber mehr
seien, als nur Bestandteile nationaler Identität und Orte der
persönlichen Trauer für die Angehörigen. Sie seien Stätten der
Versöhnung, von Freundschaft und Frieden. Daher habe der Volksbund
seine Arbeit unter das Leitmotiv „Arbeit für den Frieden und die
Versöhnung über den Gräbern“ gestellt und betreibe eine satzungsgemäß
verankerte intensive internationale Jugendarbeit zur Förderung der
Friedenserziehung.

Der Präsident betonte, dass es
auch über 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs immer noch neue
Herausforderungen und dringliche Aufgaben für den Volksbund zu
bewältigen gäbe. Insbesondere da dem Verband bis zur politischen
Zeitenwende in Europa im damaligen kommunistischen Bereich jegliche
Aktivitäten verwehrt wurden, gelte es heute, die Kriegstoten in
Mittel-, Ost- und Südeuropa zu bergen und zu bestatten. Wie schwer der
Weg zur Versöhnung mit den Russen, Polen und Tschechen nach den tiefen
Wunden des Zweiten Weltkrieges auch heute noch sei, schilderte Führer
mit bewegenden Worten aus seinem großen Erfahrungsschatz persönlicher
Begegnungen mit den dortigen Menschen. Die Bereitschaft zur
Versöhnung, trotz unauslöschlicher Erinnerungen an erduldeter Gewalt,
persönlich erfahrenem Leid oder dem Verlust geliebter Angehöriger,
verlange ein besonderes Maß an menschlicher Größe, sagte der
Präsident. Diese habe er in vielfältiger, oft beeindruckender Weise
erfahren dürfen. Der Wille zur Aussöhnung sei spürbar. Nicht zuletzt
diese Erfahrungen seien es, die ihn mit Dankbarkeit auf die bisher
geleistete Arbeit zurückblicken lassen und zugleich Kraft und
Motivation für die vor uns liegenden Aufgaben verleihen, beendete der
Volksbund-Präsident seine beeindruckende Ansprache und appellierte an
die Bürger, dem Volksbund heute und in Zukunft dabei zu helfen, seine
Aufgaben zu erfüllen.
Pressebericht zum
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Präsentation des
Landesgeschäftsführers zum Herunterladen als pdf-Datei.
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