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Energiesicherheit
– Energie und Sicherheit im 21. Jahrhundert
Energie ist Leben. Die Abhängigkeit nicht nur der
Weltwirtschaft, sondern unserer gesamten Zivilisation von Energie
macht die Frage nach der Energieversorgungssicherheit vor dem
Hintergrund der abnehmenden Verfügbarkeit der natürlichen Vorkommen an
Öl, Gas und Kohle, den heutigen Hauptenergieträgern, sowie drohender
Angebotsengpässe durch eine rasant wachsende Nachfrage in den
Schwellenländern, nicht nur zu einem überragenden Thema der Energie-
und Wirtschaftspolitik, sondern vor allem auch der Außen- und
Sicherheitspolitik.
Viele Menschen, die in das Zeitalter der fossilen Brennstoffe
hineingeboren wurden, wollen die Endlichkeit des Ölzeitalters nicht
wahrhaben. Sie unterliegen dem Irrglauben, dass man nur noch
intensiver nach neuen Öl- und Gaslagerstätten suchen müsse und damit
die Energiesicherheitsdebatte ad acta legen könne.
Unser Februarreferent, Dr. Friedemann Müller, räumte mit
diesem Irrglauben gründlich auf, indem er feststellte, dass das
Ölzeitalter in der Menschheitsgeschichte nicht mehr als einen
Wimpernschlag ausmache. Die klare Botschaft ist, dass wir uns vom
Ölzeitalter verabschieden müssen. Die gute Nachricht ist, dass die
Menschen auch vor dem Ölzeitalter über ausreichend Energie in Form von
Feuer, Wasser, Sonne und Wind verfügten. Es ist auch nach dem Ende des
Ölzeitalters genügend Energie vorhanden. Das eigentliche Problem ist,
dass sich die Menschen diese Energie erst nutzbar machen müssen.
Die tatsächlich noch vorhandenen Ressourcen an fossilen
Energieträgern kann niemand exakt bestimmen. Wir befinden uns jetzt
aber wohl ungefähr im Bereich des Scheitelpunktes des Ölzeitalters,
genannt „peak oil“. Ob noch kurz davor oder bereits kurz danach ist
von sekundärer Bedeutung. Es geht vor allem um das prinzipielle
Verständnis dessen, was in naher Zukunft an Energieproblemen auf uns
zukommt.
Wichtig ist ausschließlich die Erkenntnis, dass fossile
Energie ein immer knapper werdendes Gut wird, zugleich aber die
Energienachfrage insbesondere durch Schwellenländer wie China und
Indien weiter steigen wird, wodurch nicht nur die Endlichkeit der
Ressourcen sondern darüber hinaus auch die begrenzten Produktions-,
Raffinerie- und Transportkapazitäten zu einem Problem werden. Die
Internationale Energie Agentur (IEA) warnt bereits heute vor einer Mega - Wirtschafts- und Energiekrise im Jahr 2013, welche die aktuelle
noch deutlich in den Schatten stellen soll. Die IEA rechnet damit,
dass im Zuge der globalen wirtschaftlichen Erholung der Energiebedarf
steil in die Höhe schießen wird, was zu dramatischen
Versorgungsengpässen und einem Anstieg des Ölpreises auf 200 $ pro
Fass führen wird.
Vor diesem Hintergrund haben wir in unserer ersten
Vortragsveranstaltung die Problematik der
Energieversorgungssicherheit in den Mittelpunkt gestellt. Dr. Frank
Umbach informierte uns über die strategischen Trends der
internationalen Energieversorgung sowie den geopolitischen
Risikofaktoren. Den globalen energiewirtschaftlichen Herausforderungen
könne man nur durch die Einbeziehung aller verfügbaren Energieträger
unter maximaler Ausnutzung heimischer Ressourcen begegnen. Diese
Diversifizierung von Energieträgern müsse durch eine solche der
Energieimporte ergänzt werden, so Dr. Umbach. Auf gleiche Stufe
stellte der Energiesicherheitsexperte seine Forderung nach Maximierung
des effizienten Umgangs mit Energie sowie die Bildung strategischer
Reserven. Den europäischen Industrienationen, deren Wirtschaft und
somit auch Wohlstand extrem vom sicheren Energiezufluss abhängig
seien, riet Umbach zu einem solidarischen multilateralen
Energiesicherheitsansatz auf EU-Ebene.
Folgerichtig befassten wir uns in der zweiten
Vortragsveranstaltung mit Europas Politik für mehr
Versorgungssicherheit. Dabei konzentrierte sich unser Referent, Dr.
Oliver Geden, zum einen auf den solidarischen Energiebinnenmarkt als
unerlässliche Vorsorge für den Krisenfall der physischen Unterbrechung
der Energielieferungen sowie auf eine gemeinsame
EU-Energieaußenpolitik mit der Zielsetzung des weiteren Auf- und
Ausbaus guter politischer Beziehungen mit den Energieproduzenten und
Transitländern sowie dem Bau strategisch bedeutsamer Pipelines.
In der dritten Veranstaltung stand die andere Seite der
Medaille der Energiesicherheit, der Klimawandel, im Mittelpunkt. Dr.
Friedemann Müller führte hierzu aus, dass die fossilen Energien Öl, Gas und Kohle dem Ökosystem ca. 300 Millionen
Jahre lang Kohlenstoff entzogen hätten, der nun durch die Verbrennung dieser
Energieträger in nur 300 Jahren in den Ökokreislauf zurückgepumpt
werde. Dieses Kohlenstoffdepot würde in Form von Treibhausgasen von der Erde in die Atmosphäre
verlagert, deren Konzentration daher in atemberaubendem Tempo
ansteige. Etwa drei Viertel der THG-Emissionen seien auf den Verbrauch
fossiler Energien zurückzuführen. Die Zunahme der
Treibhausgaskonzentration führt zu einem Anstieg der globalen
Durchschnittstemperatur mit dramatischen Folgen, wie der Erhöhung des
Meeresspiegels durch ein Abschmelzen der Pole, einer Ausdehnung von
Wüsten sowie die Zunahme von Fluten und Stürmen, warnte Dr. Müller.
Spätestens wenn man die Ressourcen- und die Klimakurve
übereinander legt wird klar, dass das Ölzeitalter nicht mit dem
Verbrauch der letzten Vorräte enden darf. Es gibt im Schnittpunkt der
beiden Kurven einen „point of no return“. Wird dieser überschritten,
führt die Klimakurve unweigerlich in die Klimakatastrophe und die
Ressourcenkurve in den Ressourcenkonflikt.
Wenn das so ist, warum haben wir uns dann zunächst ausgiebig den Themen „Diversifikation“ und
„Energieeffizienz“ gewidmet? Diversifikation und Energieeffizienz -
und im Zusammenhang mit dem Klimaschutz muss man nun auch den
Emissionshandel hinzufügen - sind wohlgemerkt keine Lösungen des
Problems „Energiesicherheit im 21. Jahrhundert“, wohl aber sind es
wichtige Stellschrauben, die den „point of no return“ auf der
Zeitachse nach hinten verschieben. Erst dadurch gewinnt die Menschheit
das Zeitfenster, das sie für die von Professor Dr. Peter Hennicke
vorgestellte ökologische Ressourcenwende hin zu deutlich mehr
Energieeffizienz und dem verstärkten Einsatz von erneuerbaren Energien
dringend benötigt.
Die Energiewende ist keine Angelegenheit zukünftiger
Generationen. Wir, die heute lebende Menschheitsgeneration, wir sind
aufgefordert, diese ökologische Energiewende heute zu schaffen, bevor
Ressourcenkriege und Klimawandel mit ihren schrecklichen
Folgewirkungen die Welt in eine globale Katastrophe stürzen. Wir und
niemand anderes haben die historische Verantwortung, unseren Kindern
und Enkelkindern mit sicherer und sauberer Energie den Weg in eine
lebenswerte und friedliche Zukunft zu ebnen. Die Energiewende ist eine
Schicksalsfrage der Menschheit. Dieses Thema bedarf daher einen
gesamtgesellschaftlichen Konsens über alle Parteigrenzen hinweg. Es
darf keinesfalls einem parteitaktischen Kalkül oder den
Lobbyinteressen der Energiewirtschaft geopfert werden.
Das Ölzeitalter hat der Menschheit eine gigantische
Industrialisierung und eine nie gekannte Mobilität beschert. Der
Energiebedarf ist dabei ins Unermessliche gestiegen. Die
Herausforderung einer Energiewende ist daher gewaltig. Machen wir uns
aber diesen wunderbaren Slogan Obamas aus dem
US-Präsidentschaftswahlkampf zu eigen „Yes we can“, ja wir schaffen
es, wenn wir es anpacken. Ein jeder Bürger ist zur Mitwirkung
aufgefordert im Sinne des einprägsamen Zitats: „Wer wenn nicht
ich, wann wenn nicht jetzt“.
Text: Oberstleutnant a.D. Jürgen Rann, GfW-Sektionsleiter
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