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Periodischer Beitrag des Landesbereichs VII
in der
EUROPÄISCHEN
SICHERHEIT Nr. 06/2011
Die Sektion Halle –
eine Erfolgsstory
Als Oberstleutnant a.D. Jürgen Rann nach sechsjähriger
Amtsführung am 13. April 2011 die Sektionsleitung der Sektion Halle
(Saale) an seinen Nachfolger, Oberstleutnant a.D. Ernst-Walter
Speidel übergab, konnte er mit großer Genugtuung auf eine höchst
erfolgreiche Entwicklung „seiner“ Sektion zurückblicken und dabei
zugleich eine bemerkenswert positive Bilanz seiner
sicherheitspolitischen Öffentlichkeitsarbeit in der Saalestadt
ziehen. Das Erfolgsrezept: Eine gesellschaftlich außergewöhnlich
breit aufgestellte Sektion, die man zu Recht als Bürgerverein
bezeichnen darf, ein eigenständiges und bis heute in der GfW
einmaliges Veranstaltungskonzept mit anspruchsvollem
Vortragsprogramm, die Nutzung der Synergien aller in der
sicherheitspolitischen Öffentlichkeitsarbeit tätigen Institutionen
in einer großen Veranstaltungskooperation, ein attraktiver
Veranstaltungssaal im ehrwürdigen Halleschen Stadthaus und last but
not least eine offensive sektionseigene Medienarbeit.
Der Neubeginn
Am 01. April 2005 wurde Oberstleutnant Rann, damals noch als
Stellvertretender Kommandeur und Chef des Stabes des Halleschen
Verteidigungsbezirkskommandos 81 im aktiven Dienst der Bundeswehr,
vom Landesvorsitzenden VII kommissarisch zum Sektionsleiter Halle
ernannt. Er übernahm eine seit drei Jahren ruhende und mit nur noch
zwei vorhandenen Mitgliedern nahezu völlig verwaiste Sektion.
Es galt also primär, dieser Sektion durch intensive
Mitgliederwerbung neues Leben einzuhauchen. Dies gelang in nur
wenigen Monaten, was wohl nicht unwesentlich der Tatsache
zuzuschreiben war, dass OTL Rann bereits damals dank seiner
Tätigkeit in der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit über sehr gute
und enge Kontakte zur Halleschen Gesellschaft verfügte. Diesem
Umstand ist es auch zu verdanken, dass das Mitgliederspektrum der
Sektion eine außergewöhnliche gesellschaftliche Breite aufweist.
Angefangen beim Parlamentarischen Staatssekretär im
Bundesinnenministerium über Landtagsabgeordnete, Stadträte der Stadt
Halle, dem Halleschen Beigeordneten für Ordnung und Sicherheit,
Ärzten, Richtern, einer Staatswissenschaftlerin, Studenten, sowie
Diplomingenieure, aber auch aktive Offiziere, Reservisten und
ehemalige Offiziere aus Bundeswehr und NVA gehören zum Kreis der
Sektionsmitglieder, wie übrigens auch ein Hartz IV-Empfänger,
insgesamt genommen ein nahezu repräsentativer Querschnitt durch die
hallesche Gesellschaft.
Heute ist die Sektion Halle auf 50 Mitglieder aufgewachsen,
ist somit die mitgliederstärkste Sektion in den neuen Bundesländern
und belegt sogar im Vergleich mit den etablierten Westsektionen
einen guten Mittelplatz.
Begrüßung des 50.
Mitglieds: Dipl. StaatsWiss. Trautlind Wagner
Anspruchsvolles
Vortragsprogramm
Noch wichtiger als
die Schaffung einer in sich tragfähigen Sektion war für
Oberstleutnant Rann die Umsetzung des sicherheitspolitischen
Bildungsauftrags der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik.
Als Mediator zwischen Politik und Gesellschaft war es, ganz im Sinne
der Zielsetzungen der GfW, sein Bestreben, einer breiten
Öffentlichkeit die immer schwerer durchschaubare Komplexität der
Zusammenhänge von Sicherheitsinteressen, Sicherheitsrisiken und
Sicherheitsstrukturen in einer sich stetig weiter globalisierenden
Welt verständlich zu machen, das Problembewusstsein für außen- ,
sicherheits- und verteidigungspolitische Sachverhalte und
Entscheidungen zu wecken und dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund
der gerade in den neuen Bundesländern so notwendigen Aufgabe,
die Kultur der sicherheitspolitischen Diskussion neu zu beleben
und die Bürger ganz allgemein wieder für Politik zu interessieren.
Praktische
Umsetzung fand diese Zielsetzung durch das seit sechs Jahren
verfolgte Konzept von Wintervortragsreihen mit einem bestimmten
sicherheitspolitisch relevanten Leitthema,
bei dem das Hauptthema nach einem einführenden und
Problembewusstsein erzeugenden Grundlagenvortrag in den weiteren
Folgeveranstaltungen aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet wird.
So war die Vortragsreihe des Winterhalbjahres 2005/2006 dem Thema
"Die Bedrohung durch den islamistisch motivierten Terrorismus"
gewidmet. Ausgewiesene Fachleute hielten an vier Abenden Vorträge zu
den verschiedenen Aspekten des Themas. Das gleiche Verfahren wurde
2006/2007 mit der Vortragsreihe "Gemeinsame Außen- und
Sicherheitspolitik - Die zweite Säule der EU" angewandt. 2007/2008
folgte die Vortragsreihe mit dem Oberthema "Globalisierung -
Neuverteilung von Macht und Reichtum". In
der
Wintervortragsreihe 2008/2009 wurden unter dem Leitthema
„Energiesicherheit – Energie und Sicherheit im 21. Jahrhundert“ die
strategischen Trends internationaler Energieversorgung, die
geopolitischen Risikofaktoren, sowie die Bedeutung einer
EU-Energieaußenpolitik für unsere Versorgungssicherheit, aber auch
die Notwendigkeit der Harmonisierung von Energie- und Klimapolitik
thematisiert. Fast nahtlos schloss sich die Vortragsreihe mit dem
Hauptthema „Sicherheitsrisiko Klimawandel – die Krisen der Zukunft?“
im Winterhalbjahr 2009/2010 an, mit der die GfW-Sektion Halle auf
die sicherheitspolitisch relevanten globalen Klimawandelfolgen
aufmerksam machen wollte. Die sechste und gerade erst abgeschlossene
Wintervortragsreihe im Halbjahr 2010/2011 stand unter dem Leitthema
„Der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr und das freundliche
Desinteresse der ‚Heimatfront’“, eine umfassende und ungeschminkte
Auseinandersetzung mit dem nun schon über neun Jahren währenden
Engagements am Hindukusch wider das in Deutschland um sich greifende
‚freundliche Desinteresse’.
Diskussionsfreudiges
Publikum: Halles Stadtrat Werner Misch
Über 3000 Zuhörer
in den 25 Veranstaltungen der vergangenen sechs Jahre legen Zeugnis
darüber ab, dass es mit einem zeitgemäßen Themenangebot, von
hervorragenden Referenten
mit ausgewiesener Expertise auf anspruchsvollem Niveau präsentiert,
in überzeugender Art und Weise gelang, bei einer großen Zahl von
Bürgern das Interesse
an Sicherheitspolitik zu wecken. Diese Ergebnis ist um so
bemerkenswerter, als Halle bereits seit 2007 keine Garnisonsstadt
mehr ist und sich die Zuhörerschaft überwiegend aus dem zivilen
Umfeld rekrutiert.
Synergetische Kooperation
Ein wesentliches Moment des Erfolges seiner
sicherheitspolitischen Öffentlichkeitsarbeit war für Oberstleutnant
Rann die Ausnutzung der Synergieeffekte aus der engen Zusammenarbeit
mit allen in der sicherheitspolitischen Öffentlichkeitsarbeit
tätigen Kräften und Institutionen vor Ort.
Im Anfangsjahr 2005 stützte sich die Sektion insbesondere auf
die administrative und logistische Unterstützung durch das
Verteidigungsbezirkskommando 81 und die ebenfalls ortsansässige
Bezirksgeschäftsstelle des Verbandes der Reservisten der Deutschen
Bundeswehr e.V. ab. Bereits nach Abschluß der ersten
Wintervortragsreihe warf aber die Transformation der Bundeswehr und
die damit einher gehende Neustrukturierung der Territorialen
Wehrorganisation ihre Schatten voraus. Für Halle bedeutete dies das
Aus als Bundeswehrstandort nach über 300 Jahren Garnisonsgeschichte.
Um nicht in den Strudel der Standortauflösung zu geraten,
galt es für die GfW-Sektion Halle, möglichst schnell ein
eigenständiges, bundeswehrunabhängiges Profil zu entwickeln, um der
Bevölkerung zu signalisieren: „Die Truppe geht, aber die GfW
bleibt!“
Darüber hinaus war
die Suche nach einem neuen starken Kooperationspartner für den
Fortbestand der Sektion in einem von nun an „entmilitarisierten“
Umfeld überlebenswichtig. In dieser Situation war es wohl im Sommer
2006 der entscheidende Schachzug von Oberstleutnant Rann, die Stadt
Halle als Kooperationspartner zu gewinnen. Diese gestattete seither
der Sektion, den großen Festsaal im Stadthaus kostenlos für ihre
Veranstaltungen zu nutzen, ein höchst attraktiver Veranstaltungsraum
mitten im Herzen der Saalestadt.
Als Mitveranstalter konnte Oberstleutnant a.D. Rann neben der
Stadt Halle und der von Anbeginn an kooperierenden Landesgruppe
Sachsen-Anhalt im Reservistenverband in 2007 das Landeskommando
Sachsen-Anhalt der Bundeswehr in Magdeburg sowie in 2008 die
Jakob-Kaiser-Stiftung gewinnen. Nur wenige Monate nach Neugründung
der Sektion Sachsen-Anhalt der Deutschen Gesellschaft für
Wehrtechnik e.V. (DWT) mit Sitz in Dessau Mitte 2010, ist auch diese
in die sicherheitspolitische Kooperation mit der GfW-Sektion Halle
eingetreten.
Zielgerichtete
Medienarbeit
Dass in der öffentlichen Wahrnehmung nur das geschieht,
worüber in den Medien berichtet wird, ist in unserer
medienorientierten Welt Gesetz. Oberstleutnant Rann legte daher sein
Augenmerk stets auf eine zielgerichtete PR seiner
sicherheitspolitischen Öffentlichkeitsarbeit. Er setzte dabei
zugleich auf die lokale und regionale Presse, insbesondere aber auch
auf die sektionseigene Medienarbeit. Hierbei stand ihm mit
Oberfeldapotheker Hartmut Berge, einem ehemaligen Leiter der
Pressearbeit (LdP – heute: LdI) beim Sanitätskommando III in
Weißenfels, ein versierter Fachmann zur Seite, der die
Vortragsveranstaltungen der Sektion Halle pressegerecht
nachbereitete. Seine gekonnten Berichte fanden vielfach Eingang in
das Reservistenmagazin „loyal“.
Seit Hartmut Berge, bedingt durch zahlreiche Auslandseinsätze
und erst recht seit Übernahme seiner Dienststellenleitertätigkeit
beim Versorgungs- und Instandsetzungszentrum Sanitätsmaterial
(VersInstZ SanMat) in Blankenburg/Harz, immer weniger Zeit für seine
ehrenamtliche Tätigkeit für die GfW-Sektion Halle erübrigen konnte,
entdeckte auch Oberstleutnant a.D. Rann seine publizistische Ader
und zeichnete bereits für viele Nachberichterstattungen selbst
verantwortlich.
Frühzeitig setzte Rann auch auf die Medienwirksamkeit eines
eigenen Internetauftritts. So ist es eigentlich nicht verwunderlich,
dass die heutige bundesweite Internetpräsenz der GfW ihren
Ausgangspunkt in Halle nahm.
Gesicherte Zukunft
Oberstleutnant a.D. Jürgen Rann hat der GfW-Sektion Halle in
den vergangenen sechs Jahren seinen ganz persönlichen Stempel
aufgedrückt, sie weit über den eigenen Landesbereich hinaus zu einer
„Leuchtturmsektion“ entwickelt. Seine Konzeption einer zeitgemäßen
sicherheitspolitischen Öffentlichkeitsarbeit hat zu beispielgebenden
Ergebnissen geführt. Als er nun die Verantwortung in die Hände
seines Nachfolgers, Oberstleutnant a.D. Ernst-Wilhelm Speidel legte,
konnte er dies in der Gewissheit tun, „seine“ GfW-Sektion Halle wohl
bestellt hinterlassen zu haben.
Der „Neue“: OTL a.D.
Ernst-Walter Speidel
Jürgen Höche
Generalleutnant a.D.
Landesvorsitzender VII
In eigener
redaktioneller Verantwortung
Alle Fotos: Uwe
Weber, VdRBw - Halle |